Sie befinden sich hier: News




10.05.2009 · OTZ · Sylvia Eigenrauch

Stern überm Kulturhumus

Otto Dix als Lockmittel verstehen - Private Veranstalter wollen mitreden

Nur ein breites kulturelles Leben ist die beste Werbung für Gera. Wenn Otto Dix dafür als Stern gebraucht werde, sei das ok.
Mit dieser Formulierung fand Eugen Weber, Kreisvorsitzender der Bündnisgrünen und Gastgeber der Diskussionsrunde "Otto Dix und sonst gibt´s nix?" selbst eine Antwort auf die Frage des Abends im Haus der Pioniere. Trotzdem bleibt die Befürchtung, dass Interesse und Geld nur in diesen Stern und damit in die Landeszentralbank als Kunsthaus fließen. Dass der Mehraufwand pro Jahr bei 200.000 Euro liege, erfuhr Grünen-Stadtratskandidat Peter Kindermann von Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD), der zu den Gesprächspartnern von Moderator Frank Karbstein - ebenfalls grüner Stadtratskandidat - auf dem Podium gehörte.
Die fast 40 Gäste erfuhren, dass dem Generalintendant von Theater&Philharmonie, Prof. Matthias Oldag, nicht bange ist, dass eine mögliche Dix-Begeisterung dem Theater den Rang abläuft. Vielmehr erkennt er, dass sich Elemente einer reichen Kulturlandschaft gegenseitig befruchten und prägte das Wort vom "Kulturhumus". Jedoch forderte er wiederholt das Bekenntnis des Stadtrates zur kulturellen Entwicklung ein und erklärte, dass momentan völlig offen sei, wie die Zukunft für das Theater nach 2012 aussehe.
Vom Befruchten habe Daniel Zein, Mitveranstalter der Geraer Songtage von der Agentur artfullsounds, bislang wenig gespürt. "Andere Geschichten finden zwar nebenher statt aber erfahren nicht dasselbe Marketing", kritisierte er. Unterstützung erhielt er von Björn Rank vom Club Unique. Ihn ärgert, dass ein Zauberflöten-Gastspiel aus Magdeburg 90 000 Euro vom Markt ziehen wird. "Wir könnten das selber machen", sagte er, erntete donnernden Applaus vom Publikum und zustimmendes Nicken des Theaterintendanten. "Was die Stadt organisiert, gräbt privaten Veranstaltern das Wasser ab", spitzte Daniel Zein zu und erklärte: "Die städtische Kultur GmbH und wir sprechen inhaltlich nicht dieselbe Sprache". Als das Publikum von OB Vornehm erfuhr, dass das Hofwiesenparkfest 55 000 Euro gekostet habe, legten Kenner die Stirn in Falten.
Der Kulturhumus ist noch zu wenig bekannt, resümierte Anne Klein, Mitglied im Förderverein Haus der Pioniere und im Jazzclub Gera. "Es ist nicht gut, wenn eigene Initiativen junger Leute nicht wertgeschätzt werden", sagte sie und sieht eine Form in der Beteiligung an städtischen Festivals.
Dass die Veranstalter des ersten politischen Abends im Haus der Pioniere es anders halten, bewies, dass sie den 21-jährigen Michael Krause um Hintergrundmusik am Klavier baten und der Schülerband "Daily independence" zu ihrer Premiere verhalfen. Jonathan Hammer, Lukas Komann, Govinda Kleim und Felix Nordmeyer boten Rockiges.
Gegen das Suhlen im Leid und das Warten auf die Stadt sprach der bildende Künstler Sven Schmidt. "Wer eine Idee hat, muss sie durchziehen", meinte er. Dix ist eine Vision. "Aber es wäre nicht typisch, dass alle Menschen, weil wir es jetzt wollen, Dix lieben", sagte Volker Tauchert von "Ja - für Gera". Kommentar Andere Ideen sind in Gera nicht salonfähig.

Anne Klein, Mitglied Förderverein Haus der Pioniere Gera

10.05.2009





Weitere News
Freitag, 13.März.2026 23:15:42